Toxische Kommunikation – Der Verlust von Respekt

Ich verbringe viel Zeit auf Facebook und bemerke in letzter Zeit eine zunehmende Verrohung und toxische Kommunikation im Internet.

Dies hat mich dazu veranlasst, mich zumindest nicht mehr an politischen Diskussionen zu beteiligen. Aber selbst bei fachlichen oder regionalen Themen kann es zu Missverständnissen kommen, begleitet von sinnlosen, negativen oder herablassenden Kommentaren.

Als erfahrene Frau kann ich damit umgehen, aber manchmal hinterlassen sie eben doch einen traurigen Eindruck.

Wie können wir besser mit solchen Reaktionen umgehen und dazu beitragen, andere nicht unabsichtlich emotional zu verletzen? Das ist das Thema des heutigen Blogartikels.  

Frau - toxische kommunikation

Toxische Kommunikation – eine Einführung in die Problematik

Du sitzt in einem Café und beobachtest die Menschen um Dich herum. Etliche Köpfe, die über Smartphones gebeugt sind, Finger, die flink über Ihr Handy-Bildschirm wischen.

Die Kunst der persönlichen Unterhaltung scheint immer mehr in den Hintergrund zu rücken. So erleben wir in der heutigen digitalen Ära eine grundlegende Veränderung in der Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren.

Ich blicke auf einige kommunikative Situationen zurück, in der ich meiner Mutti WhatsApp Nachrichten schrieb. Der Text ist generell häufig oft kurz und knapp gehalten und kaum mit Emojis versehen. Und sofort macht sich bei Ihr Unsicherheit breit. Hatte ich Ärger? Hatte ich etwas Negatives am Tag erlebt? Doch häufig stellt sich heraus, dass ich einfach generell so bin oder auch in Eile oder müde gewesen war.

Diese kleine Anekdote ist bezeichnend für die Herausforderungen der digitalen Kommunikation. Ohne die nonverbalen Hinweise, die wir im persönlichen Gespräch erhalten, sind Missverständnisse an der Tagesordnung.

Die Anonymität und Distanz, die das Internet ferner bietet, können zudem dazu führen, dass wir uns erlauben, Dinge zu sagen, die wir von Angesicht zu Angesicht niemals aussprechen würden.

Beleidigungen, unpassende Kritik, herablassende Worte, Belustigungen und sogar offene Aggressionen sind in Online-Foren und auch in den Kommentarbereichen keine Seltenheit.

Und dieses Phänomen führt zu einer Reduzierung des gegenseitigen Respekts, was die Grundlage unserer Kommunikation auch über Social-Media bilden sollte. In einer Welt, in der ein Kommentar, ein Tweet oder ein Post innerhalb von Sekunden abgesendet werden kann, scheinen gut überlegte Worte und Rücksichtnahme herabzusenken und bildet den Nährboden einer dynamischen negativen Kommunikation auch toxische Kommunikation genannt.

Leute, die sich nicht unterhalten - toxische kommunikation

Die Psychologie hinter Emojis 

Emojis sind aus unserer digitalen Kommunikation kaum noch wegzudenken. Sie sollten eigentlich dabei helfen, unsere Gefühle und Absichten klarer zu übermitteln. Doch wie oft haben wir schon ein Emoji falsch interpretiert oder uns gefragt, was der andere wirklich damit ausdrücken wollte?

Nehmen wir das Beispiel des Lach-Smileys. In einer Nachricht an eine Freundin kann es Wärme und Humor ausdrücken. Im Kontext eines kritischen Kommentars bei einem zuvor gestellten eher fachlichen Post kann es jedoch auch als Spott oder Herablassung aufgefasst werden.

Diese Mehrdeutigkeit der Emojis führt zu einem komplexen Aspekt der Online-Kommunikation sowie Interpretation. Ohne die Begleitung von Körpersprache und Tonfall wird die Bedeutung eines Emojis oder belustigenden Avatars allein durch unsere persönlichen Erfahrungen geprägt, und die betreffende Person kann einen Emoji dann auch anders oder sogar negativ auffassen.

Diese Mehrdeutigkeit führt entsprechend häufig zu einer emotionalen Belastung. Wir verbringen Zeit damit, über die Bedeutung und Absichten hinter einer herablassenden Antwort oder Emoji-Reaktion nachzudenken, was zusätzlich zu Unsicherheit beiträgt.

So wichtig und nützlich Emojis auch sein mögen, sie sind letztendlich nur ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug können sie sowohl konstruktiv als auch destruktiv eingesetzt werden und auf unser Gegenüber auch so wirken. In der Welt der Online-Kommunikation ist es daher entscheidend, sich der Macht dieser scheinbar unschuldigen Symbole bewusst zu werden und sie verantwortungsvoll zu nutzen, auch um keine toxische Kommunikation entstehen zu lassen.

Emojiis- Karikatur

Toxische Kommunikation und deren Auswirkung in den sozialen Medien

In der anonymen Welt des Internets begegnen uns zusätzlich oft Kommunikationsformen, die wir im realen Leben selten so direkt erleben würden. Herablassende Kommentare, aggressive Töne, gezielte Online-Mobbingaktionen und riskante Challenges sind Phänomene, die in den sozialen Medien allgegenwärtig geworden sind. Diese Art der Kommunikation, oft „toxisch“ wirkend, kann tiefe Spuren auch gerade bei heranwachsenden Personen hinterlassen.

Einer der gravierendsten Auswirkungen toxischer Kommunikation ist die psychische Belastung. Menschen, die regelmäßig negativen, depressiven oder auch Hass- Kommentaren und Infos ausgesetzt sind, können Symptome wie Angstzustände, verstärkte Depressionen oder ein verringertes Selbstwertgefühl entwickeln.

Vor allem bei Jugendlichen, deren Selbstbild noch in der Entwicklung ist, können solche Erfahrungen langfristige psychologische Folgen bis hin zu Selbstmord haben.

So gibt es tatsächlich mehrere tragische Selbstmorde bei denen TikTok Anteil haben soll.

Ein Beispiel eines tragischen Falles in den USA, ist der Fall eines 16-jährigen Jungen namens Chase Nasca aus Long Island, dessen Eltern TikTok verklagen. Sie behaupten, dass ihr Sohn nach dem regelmäßigen Ansehen von psychologisch verstörenden Inhalten auf TikTok über einen gewissen Zeitraum hinweg, Selbstmord begangen hat.

Nach Angaben der Eltern soll Chase nicht aktiv nach diesen Inhalten gesucht haben, sondern sie wurden ihm durch die Algorithmen der App kontinuierlich bereitgestellt. Diese Inhalte umfassten unter anderem auch suizidbezogene Themen.

Die Eltern von Chase haben ihre Erfahrungen bei einer Anhörung des Kongresses geteilt, bei der sie TikTok und das Mutterunternehmen ByteDance wegen des Todes ihres Sohnes verklagt haben.

Sie argumentieren, dass die Algorithmen von TikTok gefährliche und schädliche Inhalte fördern, die Kinder und Jugendliche in den USA gefährden, um die Nutzerbindung zu maximieren und damit die Werbeeinnahmen zu steigern. Chase verstarb im Februar 2022 nach einem Zusammenstoß mit einem Zug der Long Island Rail Road.

Dieser Fall wirft wichtige Fragen über die Verantwortung von Social-Media-Plattformen und die Auswirkungen ihrer Algorithmen auf junge Nutzer auf. Es zeigt auch, wie wichtig es ist, sich der potenziell schädlichen Auswirkungen von Online-Inhalten bewusst zu sein und wie diese das Wohlbefinden von Menschen beeinflussen können​.

In einer Umgebung, in der aggressive und abwertende Äußerungen normalisiert werden, leidet auch das allgemeine Wohlbefinden. Dies kann sich auf unsere Diskussionskultur entsprechend dann auch in der realen Welt auswirken und eine kalte Atmosphäre sowie toxische Kommunikation schaffen, in der konstruktive und respektvolle Auseinandersetzungen kaum noch ermöglicht werden.

Auch erhalten wir überwiegend Ideen und Informationen in Form von Vorschlägen in unserem News-Feed, die häufig den eigenen Wünschen, Vorstellungen und Überzeugungen entsprechen.

So kommen Algorithmen mit in Spiel, die dazu neigen, den Nutzern solche Inhalte zu zeigen, die sie wahrscheinlich interessant finden oder mit denen sie interagieren könnten. Das führt dazu, dass man immer wieder ähnliche Themen angezeigt bekommt, die die eigenen bestehenden Themen bestätigen.

Das Problem dabei ist, dass sie zu einer Verengung der Sichtweise beitragen. Indem sie andere Meinungen ausblenden, und die eigene Wahrnehmung verstärken, so dass lediglich die eigene Meinung weit verbreitet und als ’normal‘ angenommen wird.

Und das führt zu einer Polarisierung in der Gesellschaft, weil Menschen mit weniger unterschiedlichen Ansichten konfrontiert werden und dadurch weniger Verständnis und Toleranz für andere Perspektiven entwickeln. das Phänomen entdecke ich auch häufig in der realen Welt. 

Hier stellt sich die Frage nach der Verantwortung jeder einzelnen Person und die der Plattformbetreiber nach wirksamen Maßnahmen, um gegensätzliche Meinungen und den Umgang damit zu fördern, die negativen Dynamiken jedoch einzudämmen.

Die Rolle von Algorithmen und Spam-Filtern

Oft scrollen wir durch unsere Social-Media-Feeds bei Facebook oder auch TikTok und fragen uns, warum wir immer ähnliche Arten von Post-Vorschläge erhalten.

Wie bereits vorher angesprochen, ist das kein Zufall. Das liegt an den Algorithmen, die entscheiden, was Du siehst und was nicht. Sie sind wie unsichtbare Türsteher, die auswählen, welche Inhalte als Vorschlag in Deinem Feed landen.

Doch es gibt dabei einen Haken: Manchmal machen diese Algorithmen Fehler. Sie können dazu führen, dass Du mit Spam, Fake News und sogar schädlichen Inhalten überflutet wirst. Das ist so, als ob der Türsteher im Club die falschen Leute reinlässt. Und das kann richtig gefährlich werden, vor allem, wenn es um Deine Psyche geht!

Und hier kommen die Spam-Filter ins Spiel. Sie sollen eigentlich den Müll rausfiltern, bevor er zu Dir kommt. Aber manchmal sind sie nicht streng genug. Das Ergebnis? Du hörst toxische Kommunikation und siehst toxische Posts, die Dich runterziehen.

Was wir brauchen, sind klügere Algorithmen und bessere Spam-Filter. Soziale Medien müssen Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass Dein digitales Zuhause ein sicherer Ort wird und nicht mit  negativen Posts und Reaktionen geflutet wird. Denn am Ende des Tages wollen wir alle uns online genauso wohl fühlen wie offline.

Weitere Infos zu Algorithmen und Spam-Filter erhältst Du in folgender Uncovered-Doku: TikTok: Was ist die düstere Filterblase & wie arbeiten Content-Moderatoren?

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Mögliche Lösungsansätze und Präventionsstrategien

Jetzt mal ehrlich: Soziale Medien können ein echtes Minenfeld sein. Aber wir selbst können auch etwas gegen toxische Kommunikation tun. Hier sind ein paar Ideen, wie wir das Internet zu einem besseren Ort machen können.

Erstens: Wir müssen alle darüber aufklären und lernen, wie man auch in der Online geprägten Welt respektvoll miteinander umgeht. Das ist wie ein Fahrsicherheitstraining, aber fürs Internet.

Zweitens: Wir alle müssen ein bisschen netter zueinander werden- online wie offline. Ein freundliches Wort kann einen riesigen Unterschied machen. Das ist wie ein Lächeln im echten Leben – es kostet nichts und bewirkt so viel.

Drittens: Die großen Player, also die Social-Media-Plattformen, müssen in die Pflicht genommen werden. Sie müssen ihre Algorithmen so anpassen, dass sie uns nicht mehr mit negativem Kram bombardieren. Stell Dir vor, Dein Newsfeed wäre voller positiver Nachrichten und hilfreicher Tipps – wie cool wäre das denn?

Also, packen wir’s an. Und zusammen können wir dafür sorgen, dass die digitale Welt ein sicherer, freundlicher Ort werden kann.

Last Updated on 13. Januar 2024 by anne30plus

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